Wenn das einer unserer Politiker aufgreift wird das dann wohl so oder so ähnlich ablaufen:
“In einer nächtlichen Marathonsitzung beschloss heute das Österreichische Wahrheitsministerium, den Dienst AT-Mail aus der Taufe zu heben. Auf die Nachfrage eines Journalisten ob dies nicht die staatliche Zensur und Überwachung fördern würde, antwortete der Minister für Angewandte Abwehr von Unruhen im urbanen Raum (AAvUiuR): Auf keinen Fall, wir wollen nur das beste für unsere Bürger, sowieso sollten Sie sich über solche Fragen keine Gedanken machen sondern sich besser um ihre krebskranke Mutter kümmern und ihre Steuerbescheide der letzten beiden Jahre endlich ausfüllen! Von den schmutzigen Funmails an ihre Kollegin reden wir ja besser nicht?”
Wer diese “Täter-Lobby” sein soll ist wohl nicht schwer zu erkennen: die Netzaktivisten (hier vor allem im deutschen Raum) die schon seit längerer Zeit erfolgreich gegen die Einführung einer Zensurinfrastruktur kämpfen.
vielen Dank für Ihre Rückmeldung und die ausführlichen Hinweise. Entschuldigen
Sie die späte Antwort.
Eine solche Kolumne drückt natürlich immer die persönliche, subjektive Meinung
des Autors auf. Bei rund 50 Zeilen kann leider auch nicht auf alle Argumente,
die im konkreten Fall für und gegen Sperren sprechen, eingegangen werden. Ich
würde es deshalb sehr bedauern, wenn Sie allein aus diesem Grund Ihr Abbo
kündigen würden. Zumal Sie sicher sein können, dass bei einer tatsächlichen
Gesetzesinitiative in Österreich wir dieses Thema als “Thema” eingehend von
allen Seiten beleuchten werden _ wie wir dies täglich auf den Themenseiten machen.
Mit besten Grüßen
Carina Kerschbaumer
Natürlich ist klar, dass eine Kolumne einen sehr subjektiven Touch hat, jedoch trägt sie dadurch nicht weniger zu einer tendenziösen Meinungsbildung bei. Eine Berichterstattung, die erst beginnt, wenn schon eine Gesetzesinitiative läuft, hat nur noch begrenzte Möglichkeiten, Einfluss auf das Gesetz zu nehmen.
Sie würde sich wohl darauf beschränken müssen das ganze zu kommentieren, da bereits Deutschland gezeigt hat, was passiert, wenn die parteipolitische Werbemaschine mit der Kinderpornografiekeule jeglichen zaghaften Widerstand der Medien zerschlägt.
Ich traue der Kleinen Zeitung hier nicht zu, dass sie, wenn es so weit ist sachlich und informierend vorgehen wird.
Die Kleine Zeitung hat in seiner heutigen Ausgabe einen Kommentar von Carina Kerschbaumer in ihrer Kolumne “Von Mensch zu Mensch” abgedruckt. Nach der Lektüre beim Frühstück war mir klar, hier wurde sehr schlecht recherchiert, es wurden die Kritik nicht verstanden und es wird wohl subtil versucht hier für Netzsperren Stimmung zu machen.
“Immerhin geht es ja hier um den Kampf gegen Kinderpornographie!”
Oder doch nicht?
Ich habe mich veranlasst gesehen, in Zusammenarbeit mit wreiner.at eine Email an die Autorin zu verfassen, um ihr die Thematik der Netzsperren etwas näher zu bringen, vor allem aber ihr die Kritik bzw. die Brandmarkung dieser Vorgehensweise als Zensur zu erklären.
Der Kommentar ist leider nicht online verfügbar, und ich will keine Urheberrechtsverletzung riskieren indem ich ihn hier vollständig zitiere. Ist ein Einscannen urheberrechtlich unbedenklich?
Die Email, die Walter und ich verfasst haben, kann in meinem Wiki nachgelesen werden:
In Wien fand der Internet Summit statt, und eröffnet wurde er von der österreichischen Justizministerin Bandion-Ortner, die sich dann in diesem Umfeld auch zu folgender Aussage hinreissen lies:
Abgesehen davon, dass diese Aussagen an Naivität und Populismus kaum noch zu überbieten sind, sollen wir uns auch noch an dem völlig fehlgeleiteten und amateurhaften Model der deutschen Internetsperren orientieren. Ja, auch Österreich kann es schaffen, dass wir einen samtenen, löchrigen Vorhang vor das Verbrechen der Kinderpornographie hängen, damit wir uns ja nicht weiter damit auseinandersetzen müssen. Wegschauen war schon immer eine Stärke unserer politischen Granden. Ich kann mich wirklich schon nicht mehr wiederholen, aber es muss sein:
Sehr geehrte Frau Bandion-Ortner: LÖSCHEN statt sperren! Alles andere ist Verharmlosung dieser Verbrechen!